Der erste Vorstand Frank Pfaff im Interview

Der erste Vorstand Frank Pfaff im Interview

Die Corona Pandemie stellt auch die TSV Alemannia Freiburg Zähringen 1900 e.V. vor großen Aufgaben. Der erste Vorstand Frank Pfaff gibt erste Einblicke wie schwer die derzeitige Situation ist und welche Maßnahmen getroffen wurden.

Frank, Corona stellt die Sportvereine vor große Probleme. Wie bewertest du die Situation seit April 2020 aus Sicht des TSV Alemannia Freiburg Zähringen?

Problematisch für alle Vereinsmitglieder -und damit dem Verein- ist hauptsächlich die Ungewissheit wie es weitergeht und was man wann wieder tun kann und darf. Dadurch gehen alle Planungen und Überlegungen ins Leere, da niemand einen verlässlichen Plan zur Verfügung hat. Trainer und Betreuer machen sich ständig neue Gedanken und Planspiele, die am nächsten Tag schon wieder über den Haufen geschmissen werden. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen hoffen, dass es endlich wieder weitergeht und werden ständig neu enttäuscht. 

Die Verantwortlichen im Verein müssen auf diese ständig neuen Herausforderungen immer wieder reagieren und es besteht die Gefahr der Abstumpfung für die Gefahren der Pandemie. Ständig musste auch der Vorstand mit den Geschäftsstellenmitarbeitern, den Abteilungsleitern, Trainer usw. neue Verordnungen und Vorgaben umsetzen. Dabei den Überblick zu bewahren, welche Verordnung gerade aktuell ist, was zu tun und umzusetzen ist, das hat uns im vergangenen Jahr extrem beschäftigt. Ein großes Dankeschön an alle Verantwortlichen in unserem Verein, die sich immer wieder diesen Aufgaben und Herausforderungen gestellt haben. Trotzdem ist es für einen Verein eine Katastrophe, seinem eigentlichen Auftragszweck nicht nachkommen zu können

Im Frühjahr 2020 der erste Lockdown ohne Sportangebote nun seit November der zweite Lockdown ohne Sport auf der Alemannia. Wie lange können die Vereine und auch der TSV das durchhalten? 

Das ist eine gute Frage. Bisher haben wir Verantwortlichen im Verein den Eindruck, dass die Mitglieder uns treu geblieben sind, so dass die Anzahl der Abmeldungen überschaubar ist. Dafür sind wir allen sehr dankbar und hoffen, dass uns unsere Mitglieder weiter unterstützen und sich nicht vom Verein abwenden. Gleichzeitig hat es aber so gut wie keine Neuanmeldungen gegeben, was natürlich die Grundlage für eine gesunde Basis und Weiterentwicklung des Vereins darstellt. Trotz des nicht stattfindenden Spielbetriebs hat unser Verein eine Vielzahl von Fixkosten, die wir trotzdem tragen müssen. Hier sind wir vor allen Dingen auf die Mitgliedsbeiträge angewiesen, da uns leider keine finanzkräftigen Sponsoren oder die öffentliche Hand mit Finanzmitteln unterstützen. Sollten sich hier die Mitglieder in größerer Zahl abwenden, wäre die Finanzlage sicherlich prekär. Aber mit welchen Argumenten sollen wir neue Mitglieder locken? Es bleibt nur zu hoffen, dass wir im Frühjahr endlich wieder unsere Tore öffnen können und die Menschen ein großes Bedürfnis nach Sport und Geselligkeit haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Welche Maßnahmen möchte der TSV Alemannia Freiburg Zähringen umsetzen, um die Zeit nach Corona wieder attraktiv für alle Sportler zu gestalten?

Nach dem derzeitigen Sachstand stehen uns die Trainer und Betreuer, insbesondere auch im Jugendbereich, weiterhin zur Seite und sind für den Re-Start vorbereitet. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um den Trainings- und Spielbetrieb sofort wieder beginnen lassen zu können. Die Freianlagen wurden durch unsere beiden neuen Platzwarte Andreas Elble und Thomas Hederer hervorragend in Schuss gehalten, so dass einem sofortigen Beginn nichts im Wege stehen würde. Insofern stehen wir als Verein parat und können sofort ein attraktives Trainingsprogramm anbieten. Etwas anders sieht die Situation im Hallensport aus. Wann die Stadt die Hallenflächen wieder frei gibt, ist die größere Frage. Die Hallenbelegungen waren schon zuvor ein Problem, durch Hallenschließungen standen schon vorher nicht ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. Unser Vorstandsmitglied Ingrid Späth ist im ständigen Kontakt mit den Vertretern der Stadt, das ist sehr aufwändig, hier Lösungen zu finden. Aber Ingrid macht das prima und schaut immer, das Beste für unsere Mitglieder rauszuholen. Inwieweit dies gleich wieder problemlos läuft, wird sich zeigen. Da habe ich die meisten Sorgen.

Neben Corona hat sich auch innerhalb des Hauptverein einiges geändert. Im Sommer gab es ein großen Umbruch in der Vorstandsschaft – erfahrene Macher wie Bernd Moll und Jürgen Weiser hörten auf – neues TSV Blut kam hinzu sowie ein Vereinsmanager. Du als langjähriges Mitglied und Vorstand hast dich der Aufgabe erster Vorstand angenommen. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt?

Dieses Jahr war ein extremer Umbruch in der Vorstandschaft. Insbesondere der Tod von Manfred Tränkle stellte eine große Zäsur dar. Aber auch Bernd Moll und Jürgen Weiser waren über 20 Jahre Mitglieder des Vorstands und hatten eine enorme Erfahrung. Hauptproblempunkt für uns waren die Finanzen, die bis dato ausschließlich von Manfred gemanagt worden sind. Es handelte sich aber um ein analoges System, welches für uns im ersten Moment sehr schwer zu überblicken war. Zu unserem großen Entsetzen hat dann auch noch die Steuerberaterin, die den Verein seit sehr vielen Jahren betreut hat, aus gesundheitlichen Gründen unser Mandat abgeben müssen. Hier hat uns Bernd Moll mit seinem Vereins Know-how am Anfang sehr geholfen. Der meiste Dank meinerseits gilt aber dem Team das sich in diese Mammutaufgabe „reingefuchst“ hat. Das war zu einem Sylvi, die gute Seele unseres Vereinsbüros und unser neuer Vereinsmanager Gerrit Bartsch, der uns seit letztem Sommer hauptamtlich unterstützt. Der dritte im Bunde ist ebenfalls seit diesem Sommer Stefan Federer, der sich bereit erklärt hat, als kommissarisches Vorstandsmitglied das Finanzresort zu übernehmen. In vielen Arbeitsstunden haben die drei die Finanzen unseres Vereins auf den Kopf gestellt und ins digitale Zeitalter überführt. Hier werden sicherlich Veränderungen auf den Verein und die Abteilungen zukommen, damit wir auf Dauer als Verein überlebensfähig sind. Diese Aufgabe wird uns die nächsten Jahre beschäftigen. Das ist nebenamtlich bei der Größe des Vereins mit nahezu 1.500 Mitgliedern auch gar nicht mehr zu bewältigen. Deshalb war es auch unabdingbar, einen hauptamtlichen Vereinsmanager zu engagieren. Ohne diese ständige Unterstützung wäre es auch mir persönlich nicht möglich gewesen, das Vorstandsamt in dieser Form anzunehmen. Als Selbständiger mit einem eigenen Unternehmen muss ich mir meine Zeit gut einteilen.

Trotzdem war es für mich keine Frage, den Verein in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Ich bin nunmehr seit nahezu 50 Jahren Mitglied in diesem Verein und habe seit der Jugend aktiv im Verein gespielt. Insofern liegt mir der Verein absolut am Herzen. Hier halte ich es vor allen Dingen von Bedeutung, weiterhin die Jugendarbeit in den einzelnen Abteilungen zu fördern. Hier waren wir in den letzten Jahren auf einem sehr guten Weg. Das hat mich motiviert, dieses Amt und diesen Weg fortzuführen. Das geht aber nur mit einem guten Team und das haben wir im Verein. Ein einzelner kann da gar nichts bewegen. Deshalb gilt mein besonderer Dank auch dem ganzen Vorstandsteam und den Mitarbeitern- /innen der Geschäftsstelle, ohne die ich den Job nicht darstellen könnte.

Welche Entwicklungen würdest du mit dem neuen Vorstandsteam angehen wollen?

Das ganze Vorstandsteam hat sich erst neu finden müssen. Ganz neu hinzu gestoßen sind Norbert Gros für das Gebäudemanagement und Martin Vomstein für Rechtsfragen. Es war in den vergangenen Jahren ein großer Umbruch im Vorstand. Keiner von den jetzigen Mitgliedern ist länger im Vorstand. Deshalb haben wir das erste halbe Jahr dazu genutzt, uns gemeinsam einen Überblick zu verschaffen und wir mussten natürlich auch viel Energie in die Umsetzung der Corona-Verordnungen stecken. Grundsätzlich möchten wir insbesondere die Jugendarbeit intensivieren und verbessern und das Areal und unsere Infrastruktur modernisieren. Da haben gerade Jens Winkler und Laurent Schorsch in den vergangenen Jahren sehr gute Vorarbeit geleistet. Sorgen bereiten mir besonders auch der Zustand unserer Immobilien und unserer Außenanlagen. Vor allen Dingen fehlt uns auf dem Areal ein weiterer Trainingsplatz in den Wintermonaten. 

Bei den vielen Jugendmannschaften, Aktiven Frauen- und Herrenteams reicht im Winter der Kunstrasenplatz allein nicht aus. Auch die Handballabteilung möchte einen Trainingsbereich auf dem Areal einrichten. Hier müssen wir unbedingt etwas entwickeln. Es liegen eine Vielzahl von Ideen vor, aber die Umsetzung, gerade auch die Gespräche mit den Behörden, sind sehr zäh und zeitaufwendig. Hier stehen noch viele Gespräche an. Auch die Finanzierung eines solchen Vorhabens müssen wir erst noch organisieren. Da stehen für alle im Vorstand noch einige Aufgaben an. Insofern wird es uns in 2021 nicht langweilig.

Die neue Vorstandschaft ist nun seit einem dreiviertel Jahr am Werk. Was konntet ihr umsetzen und wie sehr erschwert die Corona Pandemie eure Arbeit?

Wie bereits erwähnt, war die bisherige Amtszeit damit ausgefüllt, uns einen Überblick über die finanzielle Situation des Vereins und unsere Aufgabengebiete zu verschaffen. Für uns alle war es aber auch wegen der Kontaktbeschränkungen und den sonstigen Restriktionen dieser Pandemie schwer, alles so zu organisieren, wie wir das gerne gehabt hätten. Gerade die Kommunikation war dadurch oft erschwert. Die Vielzahl der unterschiedlichen Verordnungen und Richtlinien hat uns da immer wieder beschäftigt. Andererseits hat es uns der stark eingeschränkte Spielbetrieb erlaubt, die bereits genannten Punkte intensiv anzugehen und uns darauf zu konzentrieren. Aber unserer eigentlicher Vereinszweck, der Trainings—und Spielbetrieb für unsere Mitglieder, konnten wir nicht erfüllen. Das hat leider gar keinen Spaß gemacht, alles zu verbieten und zu unterbinden.

Welche Entwicklungen würdest du mit dem neuen Vorstandsteam angehen wollen?

Ich hoffe und wünsche, dass wir so schnell als möglich wieder vollumfänglich in den Trainings- und Spielbetrieb einsteigen können. Gerade für die Kinder und Jugendlichen ist dieser Lock-Down eine Katastrophe. Ich hoffe, dass wir die meisten wieder zu Sport im Verein motivieren können. Das wäre mein größter Wunsch. Den Rest bekommen wir gemeinsam in den Griff, da bin ich absolut optimistisch.

Vielen Dank für die Möglichkeit uns und unsere Arbeit präsentieren zu können. Auch Ihnen und allen Mitgliedern im Verein wünsche ich Gesundheit und auf ein baldiges Wiedersehen beim Sport!